Wo ist der Frieden? - eine kleine Geschichte zur Jahreslosung 2019

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Schnitzeljagd

 

Eine kleine Geschichte zur Jahreslosung 2019 „Suche Frieden und jage ihm nach“, Psalm 34

 

Kennen Sie Schnitzeljagd? Früher war sie sehr beliebt zu Pferd, aber man kann sie auch zu Fuß spielen oder mit dem Rad oder mit dem Auto oder sonst wie. Einer läuft voraus und hat einen Sack mit Papierschnitzel dabei. Von Zeit zu Zeit wirft er einige Schnitzel heraus, um damit den Nachjagenden seine Spur zu zeigen. Man kann auch mit Kreide Pfeile anbringen oder sonst wie den Weg markieren. Da unsere Schnitzeljagd im Winter stattfindet, gibt es Spuren im Schnee. Das macht manches vielleicht einfacher, vielleicht.

Unseren Anführer, der vorausläuft, wollen wir „Frieden“ nennen. Der Frieden ist also längst losgelaufen, und die Menschen machen sich auf die Suche nach ihm und wollen ihm nachjagen.

Da es eben Winter ist und kürzlich erst geschneit hatte, ist es relativ einfach. Man braucht nur seiner Spur zu folgen. Das machen die Menschen auch. Doch nach einer Weile kommen sie plötzlich auf eine größere Straße, und man muß entweder zur einen oder zur anderen Seite abbiegen. Auf der großen Straße aber war der Schneeräumer. Man sieht keine Spuren mehr sondern nur noch schwarzen Asphalt.
„Dort, dorthin ist der Frieden gelaufen,“ ruft einer sogleich. „Nein, nein, hierhin in die andere Richtung,“ will es ein anderer besser wissen. Die Menschen schauen dahin und dorthin, einige stehen ratlos herum, andere beginnen, sich heftig zu streiten. „Hierhin, dorthin, nein, da....“ Auf einmal ruft einer laut, „Halt! Es macht gar keinen Sinn, wenn ihr hier herumsteht und euch streitet. Da gewinnt der Frieden nur immer mehr Vorsprung. Wir müssen uns für eine Richtung entscheiden.“ Das ist einfacher gesagt als getan. Schließlich geben einige nach, und so gehen sie gemeinsam in eine Richtung. Ob es die richtige ist, wissen sie nicht.

Nach einer Weile wird es immer nebliger. Manche fassen sich ängstlich an den Händen. Da, da hinten, da ist etwas! Aus dem Dunst heraus hören sie eine Stimme: „Kommt, kommt her, hier ist der richtige Weg, hier wird es hell!“

Einer rennt sofort los. Er rennt und rennt und übersieht, daß die dunkle Gestalt aus einem Sumpf heraus gerufen hat. Er stürzt kopfüber in das Moor und versinkt jämmerlich. Erschrocken bleiben die Menschen stehen. Sie können ihm nicht mehr helfen. Ganz offensichtlich sind sie auf einem Irrweg gelandet.
„Das ist nicht der Weg zum Frieden. Wir müssen umdrehen.“ Betroffen und ängstlich gehen sie in eine andere Richtung. Aber wohin? Es wird wieder etwas heller. Sie kommen an einer Gaststätte mit Biergarten vorbei. Trotz des Winters und der Kälte sitzen eine ganze Reihe von Leuten dick eingemummt draußen, trinken Glühwein und machen Brotzeit.
„Schau mal, der da drüben sitzt, der sieht doch aus wie einer der Organisatoren unserer Schnitzeljagd,“ meint einer der Suchenden. „Ja, das könnte sein,“ überlegt der neben ihm stehende, „aber was hilft uns das.“ „Wir könnte ihn fragen, ob er uns den Weg zeigt.“ - „Das macht der nie.“

„Schaut mal, er ist ganz vertieft in sein Essen,“ beobachtet ein anderer, „und neben ihm liegt seine Tasche. Ich könnte mich anschleichen. Vielleicht hat er einen Streckenplan in seiner Tasche, und den klau ich ihm dann.“ - „Ein Streckenplan, der wäre in der Tat gut, aber stehlen...?“ - „Ach, das macht nichts, wir müssen es nur klug genug anstellen.“
„Nein, ich bin nicht für stehlen, ich bin für fragen,“ meint schließlich der erste und geht auf den Brotzeit Machenden zu.
„Entschuldigen Sie bitte, wissen Sie vielleicht den Weg zum Frieden?“
Der Mann schaut von seinem Essen auf. „Ja, klar, gerne zeige ich Euch den Weg zum Frieden. Ich bin gleich hier fertig, aber ihr könnt schon mal meine Zeche bezahlen. Ich hatte ein Vorspeise und eine Hauptspeise, und diese Nachspeise hier, und drei Glühwein und …..“

„Aber wir wollten doch nur fragen wegen dem Frieden.....“
„Ja schon,“ argumentierte der Mann, „ich bin Euch auch sehr gerne behilflich. Aber seht, da kommen auch Unkosten, und schließlich tu ich etwas für Euch und überhaupt, kostenlos gibt es in der heutigen Zeit nichts....“

„Das ist ein Schwindler!“ flüstert einer der Suchenden. „Der wird uns auch in die Irre führen. Nichts wie weg von hier!“ Die anderen stimmen ihm zu. Etwas betreten und irritiert gehen sie weiter. Aber wohin? Irgendwie scheinen sie sich total verlaufen zu haben.

„Hier, hier ist eine Spur, das könnte der Weg zum Frieden sein,“ ruft plötzlich einer aufgeregt. Tatsächlich, da ist eine Spur im Schnee. Neugierig folgen sie der Spur. Alle schauen auf den Boden, aber die Masse der Menschen zertrampelt die Spur. Dennoch scheinen sie jetzt ein Ziel zu haben.

Die Spur führt geradeaus. Nichts ist weit und breit zu sehen als nur Schnee. Oder ist da vorne doch etwas?

Die Spur führt zu einem großen, schmiedeeisernen Tor, zu dessen beiden Seiten sich eine hohe Mauer befindet. Ganz eindeutig geht die Spur hinter dem Tor weiter. Die Leute stürmen zu dem Tor. Aber es ist verschlossen. Sie rütteln daran, aber es ist zu.
Einer versucht hochzuklettern. Geschickt greift er von Schnörkel zu Schnörkel, aber je höher er klettert, desto höher scheinen das Tor und die Mauer zu werden. Schließlich gibt er auf und springt herunter.
„Wir graben uns unten durch,“ schlägt einer vor. Der Boden aber ist hart gefroren und außerdem ist der Untergrund Fels.
„Wir sprengen das Tor,“ schlägt ein anderer vor, „wir stürmen es, wir hauen es kaputt.“ Aber da sind auch einige dagegen.

Auf einmal kommt ein Kind. Die Leute weichen zur Seite und starren auf das Kind. Zielstrebig geht es auf das Tor zu. Kurz davor bleibt es stehen und sagt laut und deutlich aber sehr freundlich: „Bitte.“
Wie von Geisterhand öffnen sie die beiden Flügel des Tores und das Kind geht hindurch. Die Leute sind verwirrt. „Wir müssen werden wie die Kinder,“ flüstert einer. Eilig folgen sie dem Kind, um noch durch das Tor zu gelangen, bevor es wieder schließt.

Dem Kind schenken sie keine Beachtung mehr, aber sie sehen wieder die Spur. „Das muß der Weg zum Frieden sein.“

Die Spur führt geradeaus und auf eine Höhle zu. „Dort, dort drinnen ist der Frieden,“ ruft einer aufgeregt. Die Menschen beginnen zu rennen. Sie schubsen sich, achten nicht mehr auf die anderen. Einige stürzen. Jeder will bei der Jagd der erste sein.

Schließlich sind sie in der Höhle. Aber die Höhle ist leer. Lediglich auf einem kleinen Absatz liegt ein zusammengefaltetes Leintuch. Doch halt, da steht eine Gestalt.
„Wir suchen den Frieden,“ fragt einer, noch immer reichlich außer Atem. Die Gestalt schüttelt den Kopf und lächelt. „Er ist nicht hier. Was sucht ihr auch den Lebenden unter den Toten,“

Die Menschen sind irritiert. Mit gesengten Köpfen verlassen sie die Höhle. Und jetzt? Wie geht es jetzt weiter? Sie sind ratlos.

„Mir ist kalt,“ sagt einer, „und ich habe Hunger.“ Die Menschen schauen sich um, sammeln dürre Zweige und machen schließlich ein Feuer. Das ist angenehm und wärmt. Aber wie sollen sie jetzt den Frieden finden. Sie haben keine Spur mehr.

Auf einmal steht da jemand. Sie haben gar nicht bemerkt, wie er zu der Gruppe gekommen ist. „Habt Ihr Hunger?“ fragt der Mann.
„Oh, ja,“ antworten die Menschen.

Der Mann hat Brot. Er dankt, er bricht es und er gibt es den Menschen.
„Wir wollten dem Frieden nachjagen,“ sagt einer, während er noch an seinem Bissen kaut, „aber wir haben es nicht geschafft, ihn zu finden. Können Sie uns vielleicht helfen?“
Der Mann schaut gütig. „Ihr braucht den Frieden nicht zu suchen. Ihr braucht ihm auch nicht nachzujagen, wie es die Menschen versucht hatten, bevor ich gekommen war. Legt einfach all eure Bosheit ab und euren Neid und die Mißgunst. Beendet jeglichen Streit und öffnet eure Herzen weit. Dann will ich mit Freuden bei euch einziehen, ich bin der Friedefürst. Dann schenke ich euch den Frieden Gottes, der höher ist als alle Vernunft.

Von Korinna Söhn

Wer die Geschichte sich lieber anhören möchte, findet sie hier etwa in der Mitte des Konzerts:

https://www.erloeserkirchemuenchen.de/mch/